Globales Geschäft schafft globale Verantwortung
Chancen geben, Zukunft schaffen: Wie DACHSER als Impulsgeber für das strategische Engagement in den Ländern des Globalen Südens den Dialog zur Entwicklungsarbeit prägt und vorantreibt.
Eine Jeans, ein Smartphone oder die Tasse Kaffee am Morgen – kaum ein Produkt unseres Alltags kommt ohne globale Lieferketten aus. Sie verbinden Märkte, schaffen Wohlstand und sind die Grundlage wirtschaftlichen Handelns. Gleichzeitig machen sie sichtbar, wie eng wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verknüpft sind. „Die Globalisierung ist die Triebfeder, das Schwungrad unseres Geschäfts“, sagte Bernhard Simon, Chairman of the Supervisory Board von DACHSER, Anfang April auf einer Podiumsdiskussion im neuen DACHSER Network Campus (DNC) in Kempten. „Daraus ergibt sich auch eine Verantwortung für die Lebensbedingungen der Menschen weltweit.“
„Globale Wertschöpfungsketten sind nicht nur ökonomische Strukturen, sondern auch soziale Räume. Entscheidungen entlang dieser Ketten wirken sich unmittelbar auf Lebens- und Arbeitsbedingungen in anderen Teilen der Welt aus“, stellt Simon fest. „Lieferketten sichern Leben und Wohlstand – dürfen aber nicht auf Kosten von Menschen gehen.“ Nachhaltigkeit und soziale Standards würden damit zu integralen Bestandteilen wirtschaftlicher Wertschöpfung.
Die Frage sei längst nicht mehr, ob Unternehmen Verantwortung übernehmen – sondern WIE. Unternehmerisches Engagement hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Was früher unter dem Begriff „Corporate Social Responsibility“ oft als Ergänzung zum Kerngeschäft verstanden wurde, entwickelt sich zunehmend zu einem integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie.
„Strategie statt Werbung“ – sagt der Verwaltungsratsvorsitzende von DACHSER zu dem Anspruch, Verantwortung nicht kommunikativ, sondern substanziell im Unternehmen zu verankern. Das Konzept des „Corporate Citizen+“ geht dabei bewusst über klassische CSR hinaus: „DACHSER versteht sich als Unternehmen, das nicht nur wirtschaftlich tätig ist, sondern als Global Player bewusst Verantwortung auch für Menschen übernimmt, die vulnerabel und marginalisiert sind. Wir sind ein Unternehmen, das Spuren in der Welt hinterlässt.“
Tiefgreifender Wandel gesellschaftlicher Erwartungen
Diese Entwicklung vollzieht sich vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden Wandels gesellschaftlicher Erwartungen. Das Vertrauen in staatliche Institutionen, Medien und auch Nichtregierungsorganisationen ist vielerorts rückläufig. Gleichzeitig wächst die Bedeutung des direkten, persönlichen Umfelds – und damit auch die Rolle von Unternehmen.
"Vertrauen entsteht dort, wo Wirtschaft, Politik, Medien und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten und Brücken zwischen unterschiedlichen Perspektiven schlagen."
Bernhard Simon, Chairman of the Supervisory Board von DACHSER
Das „Edelman Trust Barometer“ zeigt, dass heute die Arbeitgeber für viele Menschen die wichtigste Vertrauensinstanz sind. Daraus entsteht eine neue Verantwortung: Unternehmen werden zu Vermittlern zwischen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Interessen. „Vertrauen entsteht dort, wo Wirtschaft, Politik, Medien und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten und Brücken zwischen unterschiedlichen Perspektiven schlagen“, erklärt Bernhard Simon. Das gehe nur im Austausch miteinander. Dazu müsse man sich mitunter auch aneinander reiben und zwischenzeitlich hart um Lösungen und Kompromisse ringen, dann könne aus Reibung neue Energie entstehen.
Wirkung entsteht durch Partnerschaft – nicht durch Almosen
Wie ein solcher Ansatz konkret aussehen kann, zeigt die mehr als 20-jährige Zusammenarbeit von DACHSER mit der Kinderhilfsorganisation Terre des Hommes. Was als Reaktion auf die Tsunami-Katastrophe 2005 begann, hat sich zu einer langfristigen Partnerschaft von DACHSER, Terre des Hommes und lokalen Projektstrukturen entwickelt. Das Ergebnis sind heute Projekte in zahlreichen Ländern des Globalen Südens.
Im Zentrum der Partnerschaft von DACHSER mit Terre des Hommes und weiteren Partnern, wie die gemeinnützige Klimaschutzorganisation myClimate, steht ein klarer Perspektivwechsel: weg von kurzfristiger Hilfe, hin zu nachhaltiger Entwicklung. „Glanzvolle Vorzeigeprojekte, die zwar schöne Bilder und Schlagzeilen liefern, aber nach Projektende sofort in Vergessenheit geraten, taugen vielleicht zum ‚Green washing‘ beim Klimaschutz oder ‚Blue washing‘ auf Seiten der sozialen Standards, sind aber alles andere als nachhaltig“, erklärt Bernhard Simon. „Wir bauen nicht einfach Schulen, wir stärken vielmehr Menschen darin, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.“
Joshua Hofert, Vorstand Kommunikation und Sprecher von Terre des Hommes Deutschland, benennt dazu drei Erfolgsfaktoren: Strategie statt PR, Partnerschaften auf Augenhöhe und langfristige Verlässlichkeit. Während einer Podiumsdiskussion auf dem DACHSER Network Campus in Kempten unterstrich auch Dr. Gerd Müller, von 2013 bis 2021 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und seit Ende 2021 Generaldirektor der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO), diesen Ansatz und sieht dabei enormes Potenzial in den Märkten des globalen Südens: „Die wachsende Weltbevölkerung, insbesondere in Afrika und Asien, eröffnet Chancen für wirtschaftliche Entwicklung – vorausgesetzt, diese wird partnerschaftlich gestaltet. Diese Länder wollen keine Almosen, sondern Zusammenarbeit“, so Müller. Damit verändere sich zwangsläufig auch das Verständnis von Entwicklungszusammenarbeit grundlegend – hin zu einem gemeinsamen, partnerschaftlichen Prozess.
Wirkung braucht Zeit – und konkrete Vorbilder
Nachhaltige Entwicklung lässt sich nicht kurzfristig erzielen. Sie entsteht über Jahre hinweg – durch kontinuierliches Engagement und konkrete Projekte vor Ort. Ein Beispiel dafür ist die Initiative „Trash4Cash" in Sambia, die aus einem gemeinsamen Projekt von DACHSER und Terre des Hommes hervorgegangen ist. Nach einem deutsch-sambischen Jugendaustausch hatten junge Unternehmer und Unternehmerinnen in der umweltverschmutzungsgeplagten Metropole Livingstone begonnen, recycelbare Abfälle zu sammeln, aufzubereiten und zu vermarkten.
Heute schafft das Projekt Arbeitsplätze, verbessert Lebensbedingungen und stärkt das Bewusstsein der Akteure für nachhaltiges Wirtschaften. Gleichzeitig zeigt es, dass Wissenstransfer keine Einbahnstraße ist. Impulse aus dem Projekt fließen über die Teilnehmenden zurück ins Unternehmen und verändern auch hier Prozesse, beispielweise bei Recycling und Mülltrennung. Langfristigkeit wird so zum entscheidenden Erfolgsfaktor – und zur Voraussetzung für Glaubwürdigkeit.
Zusammenarbeit als Zukunftsmodell
In Projekten wie diesen verdichten sich für DACHSER die Erkenntnisse zu einem klaren Bild: „Globale Entwicklung ist kein isoliertes Handlungsfeld, sondern immer ein enges Zusammenspiel verschiedener Akteure. Wirtschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Medien sind gleichermaßen gefordert, Verantwortung zu übernehmen und zusammenzuarbeiten“, sagt Bernhard Simon.
In der Podiumsdiskussion in Kempten brachte Dr. Wolfgang Stefinger, Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzender des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Deutschen Bundestag, die Notwendigkeit von Corporate Political Responsibility auf den Punkt: „Alles hängt mit allem zusammen“, sagte er – wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich. Dabei verweist Stefinger auf die wachsende Rolle internationaler Kooperation in einer zunehmend fragmentierten Welt. Nationale Perspektiven reichten nicht mehr aus, um globale Herausforderungen zu bewältigen.
Für Bernhard Simon bestätigt sich darin auch die gesamtgesellschaftliche wie auch unternehmerische Verpflichtung von DACHSER als Corporate Citizen +: „Wer global wirtschaftet, gestaltet auch globale Entwicklung. Und wer das bewusst tut, schafft nicht nur Wertschöpfung, sondern Zukunft – für heutige und künftige Generationen.“